Stille Wörtchen

[amazon_link asins=’3451377306′ template=’ProductAd‘ store=’gruenderhandbuch-21′ marketplace=’DE‘ link_id=’12881626-69a8-11e7-884c-1d9831b5adb0′]In diesem Juli erscheint nicht nur das Gründerhandbuch, sondern auch ein geistliches Buch von Florian Sobetzko: „Stille Wörtchen“ heißt es und ist zwar weder Klo- noch Klamaukliteratur, eignet sich aber perfekt für stille Örtchen nicht nur in TheologInnen-Haushalten. Mit dem Buch wollen Autor und Verlag zeigen, wie Verkündigung ohne pastoralen Tonfall gehen könnte – in maximal 90 Sekunden geliefert, denn länger darf ein Radiobeitrag bei Kirche in 1LIVE im WDR nicht dauern.

Für GründerhandbuchleserInnen hier das Vorwort des Buches

Technologie sollte schön sein – oder unsichtbar. Soll Steve Jobs mal gesagt haben, der ja recht schöne Technologie rausgehauen hat. Beim iPad 3 hieß es dann sogar: Technologie ist am besten, wenn sie unsichtbar ist. Wenn man sich nur der Sache bewusst ist, mit der man beschäftigt ist – und nicht des Gerätes, mit dem man daran arbeitet.

Unsichtbare Theologie finde in dem Sinne ich auch schön. Und dann noch schöner finde ich es, wenn Theologie regelrecht heimlich daherkommt. Wenn man beim Hingucken auf den ersten und zweiten Blick noch sagen würde: das hat ja nun wohl mit Gott und Glauben garnichts zu tun, echt jetzt. Und wenn man dann beim dritten Hinsehen merkt, dass da gerade das komplette Sonntagsevangelium dargeboten wird: an der Aldikasse, zwischen den Espressotassengriffen meiner römischen Schwiegermutter oder beim Autoeinladen neben mies geparkten Geländewagen.

Das ist dann gelegentlich keine schöne Theologie in dem Sinne, dass es da nur um kluge Reflexionen auf metaphysischen Höhenflügen ginge, wo schöne neue Worte für schöne alte Worte zu finden wären. Die Theologie, die ich meine, macht sich auch mal die Schuhe dreckig. Die Theologie, die ich meine, ist gelegentlich verblüffend, manchmal ungehobelt und roh bis unangenehm simpel. Bisweilen zum Weinen, dann wieder lustig oder sogar lächerlich. Und das ist keine Theologie, die wir als TheologInnen irgendwo hinbringen und mit ernstem Blick verkünden, sondern sie ist schon da draußen und wir entdecken sie dort.

Eigentlich wollte ich jetzt noch die Kurve dahin kriegen, dass ich besagte Welt da draußen besser hinterlassen möchte, als ich sie vorgefunden habe, und dass das mit so’nem Buch wie diesem hier sogar auf dem stillen Örtchen gehen sollte, von wegen christlich auf’s Klo und so. Im Essener Generalvikariat hängt der entsprechende „Kirche in 1LIVE“-Beitrag ja sogar irgendwo auf dem Damen-WC. Seitdem ist es da immer sauber – wurde mir gesagt.

Vielleicht ist es das dann auch mit dem komischen Technologie-Theologie-Vergleich. Theologie braucht von mir aus nicht unbedingt schön zu sein oder unsichtbar, aber wirksam wäre wichtig. Nicht in jedem Detail jedes wissenschaftlichen Fachartikels. Aber da, wo ich mich als Theologe RadiohörerInnen zumute, da sollte das in Form und Inhalt so passieren, dass die da draußen kein Mitleid oder Fremdschämgefühle kriegen, sondern dass sie Lust bekommen, die Welt besser vorzufinden, als sie sie hinterlassen hatten.

Oder umgekehrt.

Florian Sobetzko, Aachen

Leseprobe auf der Verlagshomepage Herder Verlag